Die Geschichte der Freiwilligen Feuerwehr Büchel
Tino Trautmann, Mai 2001Das Feuer
Schon vor 350.000 Jahren nutzte der Bilzingslebener Urmensch das Feuer. Es spendete Wärme, hielt Raubtiere fern, machte das rohe Fleisch schmackhafter und brachte vor allem etwas Licht in die Dunkelheit der Nacht. So entwickelten sich Feuer und Licht zu einer tiefreligiösen Bedeutung, welche in der Götterverehrung ihren Ausdruck fand. Selbst die heute noch üblichen Brauchtumsfeuer, wie zum Beispiel das Osterfeuer, haben ihre Wurzeln tief in der Geschichte verankert. Im Licht lebt das Gute, aus ihm heraus wird das Heil geboren. Doch mit dem Entstehen von Dörfern und vor allem der Städte, lernten die Menschen auch die Grausamkeit des Feuers kennen.Vorbeugen statt Löschen
Die Ursache für solche folgenschweren Brände lag damals oft im leichtfertigen Umgang mit offenem Feuer. Nur mit dem Talglicht, einer Öllampe oder Kerze war es bei Dunkelheit möglich, die Räume des Wohnhauses oder Stalles zu betreten. Erst im Dezember 1910 wurden in Büchel die Masten vom Elektrizitätswerk Bretleben herkommend aufgestellt. Aber nicht nur der Umgang mit der offenen Flamme, sondern auch die Bauweise der Gehöfte trug damals zur schnellen Verbreitung eines Brandes bei. Oft standen die aus Fachwerk und Lehm errichteten Häuser besonders dicht aneinander, wobei ein übergreifen des Brandes auf das Nachbargehöft begünstigt wurde. In regelmäßigen Abständen mußte jeder Haushalt seine Schornsteine säubern und kontrollieren, da die Dächer noch weitgehend mit leicht brennbaren Materialien wie Stroh oder Holzschindeln gedeckt waren und in dieser Weise bis in das 19. Jh. hinein bestanden. Erst eine landrätliche Verfügung von 1823 verbot in unserer Gegend die Bedeckung der Häuser mit Schilf. Im ausgehenden Mittelalter lassen sich in den alten Stadtverordnungen Maßnahmen erkennen, die einen vorbeugenden Brandschutz beabsichtigen und in den Dörfern ähnlich geregelt waren.
Einfachpumpwerk um 1615
Wer vorsätzlich oder fahrlässig einen Brand verursachte oder die Bestimmungen nicht einhielt mußte mit harten Strafen rechnen. Desgleichen wurden aber diejenigen Leute belohnt, die mit ihren wassergefüllten Kufen zuerst an der Brandstelle waren. Im Dorf leitete der Dorfschulze den Einsatz. Jedes Haus hatte eine Person zur Brandbekämpfung zu stellen. Neben den Pumpwerken, die sich meist nur die Städte leisten konnten, wurden vorwiegend in länd-lichen Gebieten Ledereimer, Leitern, Äxte und Einreißhaken verwendet. Nicht selten kam es vor, daß vom Feuer verschonte Häuser oder sogar Häuserreihen niedergerissen wurden, um den Flammen den Nährstoff zu entziehen. Später ließ man zwischen den Gehöften der Nachbargebäude einen kleinen Freiraum, so daß im Brandfall ein Übergreifen der Flammen verzögert wurde. Auch in unserem Ort finden sich solche Zwischenräume, die heute meist als Hundezwinger oder Hühnerlauf verwendet werden.
Der große Stadtbrand von Kölleda
In der Nacht vom 14. zum 15. August des Jahres 1795 ereignete sich eine der schlimmsten Feuerkatastrophen, welche jemals die Stadt Kölleda heimgesucht hat. " . . .als ¼ auf eilf Uhr die Sturmglocke tönte, und kaum daß diese gehört worden war, auch in einer undenkbar kurzen Zeit die wütenden Flammen so unaufhaltbar um und neben sich fraßen, daß selbst die auf der Gesellschaftsstube gewesenen Honoratioren und die im Bierhause gewesenen Bürger, ob sie gleich eiligst nach ihren Wohnungen hinstürtzten, nicht vermögend waren, ihre Habseligkeiten zu retten." Weiterhin berichtet der Kölledaer Diakon Salomo Gottlob Unger: "Ein Mann aus Bichel, der uns mit seiner Feuerspritze zu Hülfe kommen wollte, wurde vor dem Brückenthore auf der Straße gar Schadhaft. indem ihm eine durch den Wind entgegengetriebene Flamme mit vielem Rauche, die Augen verletzte, daß er drei Tage lang nicht sehen konnte."Wir erhalten in dieser Chronik somit den Beweis einer vorhandenen Feuerspritze im Ort, was aber keinesfalls auch auf eine Spritzenmannschaft schließen läßt oder gar einer Feuerwehr. Um die Verhältnisse und Umstände des Feuerlöschwesens Mitte des 18. Jh. besser verstehen zu können müssen wir auf andere Quelle der Region zurückgreifen, welche uns die Situation dieser Zeit besser zu verstehen geben. Superintendent Naumann von einem Brand, welcher 1740 im Forst seiner Heimat Eckartsberga ausgebrochen war: "Amtmann und Oberförster forderten die Bürgerschaft zur Hilfe auf, hatten aber nur wenig Erfolg. Nur wenige Bürger kamen, vom Rate niemand. Die zur Brandwache bestellt wurden, seien meist weggelaufen. Im Jahre 1742 berichtete hierüber der Amtmann Hofrat Klemm an den Landesfürsten und fügte hinzu, daß sich die Geschichte ganz so bei dem Brande 1742 in der Stadt wiederholt habe. Man habe das Feuer einfach agieren lassen; die Feuerspritze habe kein Wasser gegeben. Abhilfe sei dringend geboten."
Nicht jede Gemeinde war damals in der Lage eine Feuerspritze zu beschaffen. Von Kommendedörfern wissen wir, daß 1722 in den Ortschaften Waltersdorf, Scherndorf und Riethgen eine Feuerspritze vom Glocken - und Stückgießer Nicolas Jonas Sorber aus Erfurt für jeweils 130 Thaler beschafft wurde. Häufig waren es auch Rittergutsbesitzer oder reiche Bauern, welche die Notwendigkeit dieser Gerätschaften erkannten und auch das nötige Geld dafür besaßen. Andererseits fehlte es an Regelungen welche den vorbeugenden Brandschutz und insbesondere den Dienst an der Spritze betreffen. Katastrophale Zustände an der Brandplätzen waren oft keine Seltenheit. Zudem kommt noch, daß die breite ländliche Bevölkerung ohnehin schon zahlreiche Dienste leisten mußte und Mühe hatte das tägliche Brot zu verdienen. Erst später lesen wir dann öfters von finanziellen Entschädigungen und Sonderrechten wie z. B. die Befreiung von weiteren Diensten (z.B. Wachdienste) oder Vergünstigungen materieller Art (z.B. Bier). Wie alt die Büchler Feuerspritze gewesen ist und wer sie besessen hat ist nicht mehr nachzuvollziehen. Ob es aber auch eine Spritzenmannschaft gab und wie weit eine Organisation im Ort vorhanden war, ist nicht nachgewiesen. Sie dürfte jedoch schon geringe Ansätze entwickelt haben, da die Spritze ja auch zu überörtlichen Bränden gerufen wurde. Erst Ende des 19. Jh. erfahren wir in den Gemeindeprotokollen von einer Löschanstalt, die sich durch regelmäßige Übung und den nachgewiesenen Vergütungen auch als Spritzenmannschaft auszeichnet.

Die sogenannte "Feuerkunst" (Stoßspritze) mit Wenderohr aus dem Jahre 1618. Seit 1655 wurde sie durch Druck- und Saugschläuche sowie Windkessel ergänzt. 1712 wies die kursächsische Regierung auf eine Beschaffung solcher Feuerspritzen hin.
Die ältesten Nachrichten
Die ältesten Nachrichten über das organisierte Feuerlöschwesen erhalten wir um 1879 in einem Verzeichnis über die Aufwandsentschädigung der sogenannten Spritzenmannschaft. Zu dieser Zeit war das Feuerlöschwesen nicht in einer Freiwilligen Feuerwehr organisiert, wie wir sie heute kennen. Die Spritzenmannschaft, in der Regel neun Mann u. Anspanner, setzte sich aus Einwohnern zusammen, die von der Gemeinde zum Dienst an der Spritze verpflichtet wurden. Deshalb bezeichnete man sie auch als Pflichtfeuerwehr. Je nach finanzieller Möglichkeit konnte sich die Gemeinde eine Feuerspritze leisten und unterhalten, doch dürfte Ende des 19. Jahrhunderts schon nahezu jeder Ort der Umgebung eine Feuerspritze besessen haben. Zur Ausstattung der Spritzenmannschaft gehörten außerdem ein Mannschaftswagen, zahlreiche Ledereimer, Einreißhaken, sowie Leitern, Seile und Äxte für die Personenrettung. Neben dem Mannschaftswagen war auch in unserem Ort eine Feuerspritze vorhanden, die am 1. Dezember 1879 von Wilhelm Anhalt aus Kölleda repariert wurde. Aus den Aufzeichnungen geht aber leider nicht hervor, aus welchem Jahr die Spritze stammt und wer sie gebaut hat. Anzunehmen ist, daß es sich dabei um eine Stoßspritze handelt, die auch in anderen Orten der Umgebung anzutreffen war. Wie der Name schon verrät, gibt sie ihr Wasser nur stoßweise ab, wobei kein kontinuierlicher Strahl erzeugt wird. 1879 brennt es in den Orten Oldisleben und Bilzingsleben. Auch die Büchler Spritzenmannschaft rückt mit sieben Mann auf ihren Fuhrwerken zur Brandbekämpfung aus. Für jeden Einsatz gab es von der Gemeinde Entschädigung als Ausgleich für ihre geleistete Pflichtaufgabe. Laut einem Verzeichnis über die Vergütungen der Mannschaft, sind uns im selben Jahre folgende Personen namentlich überliefert:- 9,80 Mark - Christoph Blankenburg
- 9,80 Mark - Friedrich Krämer
- 4,20 Mark - Friedrich Buchner
- 4,20 Mark - Adam Fulsche
- 5,20 Mark - Karl Pfahlbusch
- 5,20 Mark - Albert Krämer
- 5,20 Mark - Karl Körper
- 5,20 Mark - Friedrich Kämpfe
- 5,20 Mark - Karl Kämmerer
Eine neue Handdruckspritze für die Gemeinde
Wie lange schon die alte Spritze ihren Dienst in der Gemeinde getan hatte, läßt sich mit Bestimmtheit nicht mehr sagen. Durch die laufenden Übungen und Überlandfahrten auf dem Kopfsteinpflaster werden wohl öfters Reparaturen angefallen sein, wie die Rechnungen im Gemeindebuch beweisen. 1884 muß sie sich aber in einem solch schlechten Zustand befunden haben, daß die Gemeinde beschloß eine neue Handdruckspritze anzuschaffen. Sie wurde von der Firma H. Sorge aus Vieselbach (bei Erfurt) hergestellt und mit der Post bis Griefstedt geliefert, wo sie feierlich in Empfang genommen wurde. Die Spritze arbeitet nach dem Verfahren der Saug- und Druckspritze. Sie besitzt zwei große Zylinder, die abwechselnd das Wasser ansaugen und herausdrücken. So war es neuerdings möglich, einen kontinuierlichen Wasserstrahl zu erzeugen, der nach einigen Versuchen der Jugendfeuerwehr auf 25 m gemessen wurde. Auf einem Holzbrett an der Wagenseite waren die Saugschläuche befestigt, mit denen nun eine Wasserentnahme auch ohne Eimer möglich war. Der heutige Anstrich ist erst später vorgenommen worden, da die Handdruckspritzen damals meist farblos waren oder in einem Grünton geliefert wurden.
Bücheler Feuerspritze von 1884, Firma H. Sorge / Vieselbach
Am 19. Mai selben Jahres bekam die Spritzenmannschaft 12 Mark für die Brandlöschung beim Mälznerschen Brande. Ein Feuerwehrmann verunglückte und mußte zur nächsten Krankenstation nach Kannawurf gefahren werden. Wie aus dem Gemeindeprotokollen von 1888 hervorgeht, wurde der Spritzen-wagen bei Hermann Fulsche untergebracht, wofür er 6 Mark als Entlohnung erhalten hatte. Das Gehöft Fulsche ist heute im Besitz der Familie Zander und steht verlassen neben dem Löschteich. Weiterhin weisen die Akten in diesem Jahr Ausgaben für Stroh, Werk und Pfähle auf, die für den Dammbruch beim Hochwasser benötigt wurden.
- Fortsetzung folgt -
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