Seit einer halben Stunde sitze ich im Wartezimmer des Notars. Endlich bin ich an der Reihe
und kann der netten Dame mein Anliegen vorbringen. "Woher kommen Sie denn?" fragt sie. Natürlich komme ich
aus Büchel, was aber "Fremden" oft einer näheren Erklärung bedarf, um Verwechslungen zu vermeiden. Um
ein lästiges Buchstabieren zu umgehen sage ich dann:"Büchel, wie ein kleines Buch!"
Aber hat unser Ortsname wirklich etwas mit einem kleinen Buch zu tun? Nein, hat er nicht! Eine andere Erklärung habe ich (natürlich in einem Buch :-)
im "Thüringer Königshort" von Reinhold Andert gelesen. Den Inhalt kurz umrissen, begibt sich der Autor hier auf
die Spurensuche der alten Thüringer und ihres sagenumwobenen Schatzes. Er leitet den Namen Büchel von Buchecker ab,
da die Baumfrucht einst für die freilaufenden Schweine der alten Thüringer große Bedeutung hatte. (S. 114). Wurde
Büchel also der Buchecker entlehnt? Nein, auch nicht!
Zum dritten und letzten möchte ich noch eine Deutung anführen, die im Zusammenhang mit dem Wort "Beil" stammt, wobei
ich keinerlei Zusammenhang mit unserem Büchel erkennen kann.
Wer sich etwas näher mit Ortsnamen beschäftigt weiß, dass solchen meist geografische Eigenheiten zu Grunde
liegen oder mit Personennamen verbunden sind.
Um nun der Erklärung recht nahe zum kommen, sucht man zunächt die älteste Schreibweise des Ortsnamens. Dank einer
Schenkung von 3 Höfen mit dazugehöringen Grundstücken an das Kloster Hersfeld, ist im Güterverzeichnis
der Ortsname überliefert. In dem bis zum Jahr 815 abgefassten "Breviarium" des Abtes Lul wird Büchel als
"Buchilide" erstmals urkundlich erwähnt. Die Erklärung fällt etwas leichter, wenn wir den Namen
auseinander setzen und zwar "Buchil" und "ide". Die Endung "-ide" findet sich auch bei anderen Ortschaften wie "Coll-ide"
= Kölleda oder "Dull-ide"=Tilldea. Die Endungen -ide, -ede, -de, -da, sind Kollektivsuffixe, die aus örtlichen Gegebenheiten Siedlungsnamen
bilden, so wie z.B. Apolda = Platz wo Apfelbäume stehen.
Das Hersfelder Güterverzeichnis aus dem 9. Jh existiert heute nur noch als Pergamentabschrift des 12. Jh. Im 3. Teil,
der bis 815 abgeschlossen wurde, wird unser Ort erwähnt.: "In buchilide hub III m III ..."
"Buchil" ist abzuleiten vom althochdeutschen Wort "buhil" = Erhöhung über einer ebenen Fläche. Heute
noch findet sich vielfach die Bezeichnung "Bühel" als Hügel oder leichte Erhebung. Der Name würde also
einen Ort bezeichnen, der etwas höher liegt, als sein Umland. Ein alter Glaube, der sich noch bis in
unsere heutige Zeit hinein gehalten hat besagt, dass der Ort früher auf dem Berg gelegen habe. Weder historische
Quellen noch Feldbegehungen konnten jedoch bisher diese These stützen. Vielmehr ist belegt, dass sich der Ort schon
über Jahrhunderte hier am Ufer der Lossa befand und möglicherweise in seinen ältesten Teilen auf einem
vom Hochwasser nicht so schnell erreichbaren Gelände seinen Urprung nahm. Damit wird sich aber separat
ein Beitrag noch zu beschäftigen haben.
Ganz interessant sind in diesem Zusammenhang auch die vielen E-Mails von Familien, die heute den
Nachnamen "Büchel" tragen, darunter auch einige Thüringer. Ein Familiengeschlecht dass sich von Büchel
nannte, erscheint 1149 mit "Fridericus de Buchele"" (Zeuge des Königs Konrad zu Bamberg) und 1153/56 mit
Konrad und Friedrich "de Buchilde" (Zeugen für das Bistum Würzburg). Ein Zusammenhang mit unserem
Ort konnte bisher nicht festgestellt werden.