Etwas über die alte Kirche St. Ulrich


"Am 27. Juni 1833 Nachts um 1 Uhr, wo starke Gewitter und Regengüsse zuvor gewesen waren, brannte die alte Kircheinfolge eines Blitzschlages unerwartet und zum Schrecken vieler Einwohner bis auf die Mauern ab . . . "

So berichten die Pfarrakten vom Niedergang der alten Kirche, welche sich einst gegenüber des Dorfes, am anderen Lossaufer befand.
Nur wenig ist von ihr überliefert. Sie wird als ein mittelalterlicher Bau beschrieben, der seine innere und äußerliche Zierde durch die jährlichen Überschwemmungen der Unstut und Lossa verloren hatte. Mit einer stattlichen Länge von 27 m und eine Breite von 10 m war sie größer als der heutig Kirchbau inmitten unseres Dorfes. Ein Eingang über eine Holztreppe in das Kirchenschiff führte sicherlich zu den Emporen. Ein anderer Eingang befand sich im Turm und wurde als "Thor im Turme" bezeichnet. Das Kirchendach war mit Ziegeln eingedeckt, die zur Beständigkeit mit Kalk verschmiert worden waren.
Aus den Kirchenrechnungen ersehen wir, dass der Altar aus Holz gefertigt war und es in der Kirche auch einen Kamin gab.



Ausschnitt aus einer Karte der Ämter Sachsenburg und Weißensee von Petrus Schenk, 1753 mit der alten Kirche am anderen Ufer der Lossa

Bericht des Bauinspekor Hertel zum Zustand des alten Kirchengebäudes
Quelle: Kreiskirchenarchiv Straußfurt


Auf die geehrte, hier wieder beiliegende, Signatur vom 17. d. M. Habe ich heute den baulichen Zustand der Kirche in Büchel örtlich untersucht und Nachfolgendes gefunden. Die alte, einst katholische, Kirche ist ihrem Äußeren nach nicht so baufällig, als es der Einbau und der Dachverband ist. Die alten Mauern sind nur in der nordwestlichen Ecke gesprungen, an dieser Stelle, an dieser Stelle aber dergestalt, dass der Riss gegen 4" weit ist, und durch die ganze Dicke der Mauer geht. Der Turm ist wegen Befürchtung des Einsturzes bereits vorm Jahr, bis zur Höhe der Kirchmauer abgetragen.
Der innere Einbau ist dagegen ganz desolat, die Chorbalken, Träger und Bundbalken, Rahmenstücke und Säulen großenteils faul und gebrechen. Überhaupt waltet in dem Inneren eine große bauliche Unordnung so dass gesunkene Trägersäulen durch untergeschobene Klötze wieder haltbar gemacht, gebrochen liegende Stücke durch stumpf untergesetzte schwache Säulen oder Kranzträger regellos gestützt sind und nie eine Reparatur im Ernst vorgenommen worden ist. Das lange Zeit in größter Unordnung erhaltene Dach hat Regen und Schnee seinen Zugang zu Balken und Sparren gestatten und diese Fäulnis bewirkt, das Flutwasser tritt seit Anlage eines Dammwegs, fast jährlich ringsum am und in die unter dem Horizont liegende Kirche und weicht Boden und Fundament. Man muss den ungeachtet einen tüchtigen Rost unter dem Fundament vermuten oder sich verwundern, dass die Mauern unter diesen misslichen Umständen nicht stärker gebrochen und gewichen sind.
Die Gefahr für die Kirchfahrt liegt nicht im Einsturz der Mauern oder des Daches, sondern noch näher im möglichen Zusammenbrechen des Einbaus, dem man angeblich schon seit längerer Zeit bei kirchlichen Festen durch jedesmalige Unterstützung der Emporkirchen hat zu verhindern gesucht. Könnte die Einwirkung des Flutwassers verhindert Werden, wäre die Kirche höher und weiter, so dass eine gerade Decke anstatt der gewölbten eingezogen und man durch diese die Mauern gut verankern könnte, könnte ferner das Planum der Kirche einige Fuß erhöht werden, so würde eine Reparatur derselben noch möglich, jedoch nur die kahlen Umfassungsmauern des alten Gebäudes zu benutzen sein.
Aber gerade diese Hindernisse stellen sich mächtig entgegen und machen eine dergleichen Hauptreparatur trotz dem großen Geldaufwand teils unzweckmäßig, teils unmöglich. Ich kann daher nur einen Neubau vorschlagen. Aber auch diesem müssen nach genommener Entschließung nachstehende Untersuchungen vorhergehen.
1. Muss genau ausgemittelt werden, on ein alter, wenigstens teilweise brauchbarer Rost vorhanden ist, dem die Kirche anvertraut werden kann. Ist dieser nicht da, so ist womöglich 2. ein Platz in oder bei dem Orte auszumitteln, wohin der Bau verlegt und der jetzigen tiefen und nassen Lage verrückt werden kann. Da es aber schwer halten wird, einer dergleichen aufzufinden, der nicht im Grund wässrig und weich wäre, so muss 3. auf jedem Fall ein Pfahlrost gestoßen werden.
Dass der Bau dieser Lokalität nach kostspielig wird, ist ersichtlich. Er ist ohne Orgel gegen 7.000 Reichstaler bei unentgeltlicher Fuhren zu schätzen, da das alte Material kaum in Abrechnung zu bringen ist. Schließlich bemerke, dass ich den Ortsschulzen vorläufig auf die Gefahr aufmerksam gemacht und ermahnt habe niemanden auf die obere Emporkirche zu lassen. Wird dies gehalten, so ist Gefahr zwar für den Augenblick zwar nicht zu fürchten, auch nur im Einbrechen einiger Chorbalken oder Träger zu erwarten, wogegen die Unterstellung einiger Säulen momentan sichert, doch kann auf länger Zeit hinaus der Gottesdienst nicht in diesem Gebäude mit Sicherheit gehalten werden.

Kölleda am 19. Sept. 1825


Der Königliche Bauinspektor
Hertel